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Bitte singen Sie jetzt nichts

Sie haben ein Lied auf den Lippen? Behalten Sie’s für sich. Dort ist es derzeit eindeutig besser aufgehoben als in Form einer wabernden Aerosolwolke.

Seit Corona sollte man sich, wo gesungen wird, unter keinen Umständen mehr niederlassen. Wer steht, sorry, sitzt schon gern im Regen. Besonders wenn dabei womöglich Covid-19-Tropfen ans Immunsystem klopfen.


Selbst im Kirchenschiff finden intonierende Virenmutterschiffe momentan kaum Anklang. Bei den Protestanten wird aus der Gemeinde gar nicht angestimmt. Man muss das Schweigen auch mal aushalten können. Keine Sorge, am Takt vorbei zu klatschen ist aber nach wie vor erlaubt.


Die Katholiken setzen hingegen auf verhaltenen Gesang. Verhaltenes Verhalten also; ein gesundes Maß. Das hört sich durchaus vernünftig an. Übermut tut bekanntlich selten gut.


Die Gunst der Stunde will genutzt sein. Darum an dieser Stelle eine kleine Vorschlagsliste mit weiteren Punkten, die gleich mit heruntergeschraubt werden könnten:


Nur noch verhaltenes Klingeln des Weckers am Morgen.


Essensgeräusche wenn überhaupt, dann in verhaltener Lautstärke.


Verhaltenes Rasenmähen beziehungsweise Laubblasen, je nach Saison.


Verhaltenes Piepsen von Lastern beim Rückwärtsfahren und verhaltenes Quietschen von Keilriemen.


Verhaltenes Stechmücken-Gesumme, gerne auch tagsüber, auf jeden Fall jedoch nachts.


Verhaltenes Jammern der Nachbarskatzen trotz Frühlingsgefühle.


Verhaltenes Bohren beim Zahnarzt.


Verhaltenes Knacken von Gelenken, sofern überhaupt erforderlich.


20 Prozent auf alles, mindestens. Detox für die Ohren. ASMR ganz ohne YouTube.


Stille Wasser gründen tief. Mal sehen, wie tiefgründig wir sein können.


Fiona Pröll

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